Dr. Ute Kalender sitzt lächelnd vor einem Bioweinfeld. Ute Kalender trägt einen schwarzen Pulli.

Aktuelle Forschungen

Ich forsche, flaniere, lebe, lehre, lerne und publiziere in Berlin – über Digitalisierung, über Digitalisierung und Diversity, über das, was Digitalisierung mit Dir und mir zu tun hat: Wie schätzen Disability Studies und Menschen Behinderung die Digitalisierung ein? Wie Queers und wie die Transgender Studies? Wie schließlich postkoloniale Ökofeminismen und jene, die in Zonen des globalen Südens leben und in Debatten zu Digitalisierung bislang kaum Gehör finden? Kurzum: Feministische, intersektionale Meta-Perspektiven auf Digitalisierung bilden das Zentrum meines aktuellen Forschungsinteresses und meines zweiten Buchs, das ich 2020 abschließen möchte. Die Denkstile der britischen Kulturwissenschaften, der Berliner Gender Studies und der feministischen Science and Technology Studies waren und bleiben prägend für mich.

Digitale Sorgearbeit

In welchem Verhältnis Sorge und Technologien stehen, ist eine Schlüsselfrage meiner Forschungen. Meine aktuellen Publikationen schlagen vor, Praktiken rund um Instagram, Facebook oder Airbnb als digitale Sorgearbeit zu verstehen: Die Muskel eines globalen, räuberischen Digitalkapitalismus, die Plattformen, könnten niemals ohne uns, ohne den unermüdlichen, affektiven Einsatz ihrer Nutzer_innen, existieren. Wir laden täglich Fotos hoch, verteilen Likes, pflegen Profile. Und das en masse, unsichtbar, unbezahlt. Die australische Medienwissenschaftlerin Kylie Jarrett hat dafür den Begriff der Digitalen Hausfrau geprägt[1]– den ich mit Blick auf Queer und Transgender Studies sowie den Globalen Süden kritisch weiterdenke. 

Affektive Arbeit für Big Data

Auch meine früheren Forschungen entwickelten feministische Sorge-Perspektiven auf Technologien. Als Postdoktorandin am Institut für Public Health der Charité-Universitätsmedizin führte ich zeitintensive technografische Feldstudien in Big Data Zentren großer Gesundheitsstudien durch. Mich interessierten die emotionalen Einsätze, die das Studienpersonal rund um digitale, hochgradig standardisierte Messtechnologien leistet: Flüchtige, körperliche, meist unsichtbare Praktiken wie das Berühren von Proband_innen, Komplimente machen, Zulächeln oder Nichtnennen von Messergebnissen. Solche affektiven Arbeiten sind im Studienalltag unerlässlich, um gute digitale Daten zu produzieren. Offizielle Beschreibungen einer standardisierten Datengenerierung lassen sie aber oft aus, ignorieren, ja unterdrücken sie.

Epigenetik

Fellowships am renommierten BIOS-Centre der London School of Economics und am Grazer Institute for Advanced Studies on Science, Technology and Society (IAS-STS) ermöglichten mir, die eingehende Beschäftigung mit den sozialen Implikationen von Epigenetik und Reproduktionstechnologien. Daraus entstanden das beachtete Buch Körper von Wert (Transcript) und viel zirkulierte Texte wie „in vitro“ in Ortsregister. Ein Glossar zu Räumen der Gegenwart (Transcript).

Qualitative Forschung

Seit 2015 leite ich qualitative Forschungswerkstätten am Institut für Public Health und am Institut für Sozialmedizin, Epidemiologie und Gesundheitsökonomie der Charité-Universitätsmedizin. Seit 2017 arbeite ich als methodologische Beraterin für qualitative Forschungsprojekte. Seit März 2020 bin ich als qualitative Forscherin in einem Projekt zu Intersexualität am Institut für Sozialmedizin der Charité Berlin beschäftigt.

[1] Jarrett, Kylie. 2016. Feminism, Labor and Digital Media: The Digital Housewife. New York: Routledge.

Aktuell

Buchbeitrag: Zählen vs. Erzählen?

erschienen im Juni 2020

In Was macht die Digitalisierung mit den Hochschulen?

Von De Gruyter in seinem 270. Jahr in die Top 5 seines Gesamtprogramms eingereiht.

Das Buch ist open access. Den Link finden Sie hier.


Werkstattgespräch: Gender in Public Health und Epidemiologie erforschen

19. November 2020 | 15:15–16:45

Digitaler Vernetzungstag „Gender in Natur- und Lebenswissenschaften“ | Philipps-Universität Marburg

Der Link wird bald bekannt gegeben.


Vortrag: Queering the Digital Housewife. Feministische Perspektiven auf Theorien digitaler Arbeit

Mit Prof. Dr. Philipp Staab

16. Dezember 2020

Schlaglichter | Reihe Literarisches Colloquium und Ausland | Vierte Welt Berlin

Der Link wird bald bekannt gegeben.


Vortrag: Pionierin*innen, Rohstoffarbeiter*innen, neue Eugeniker*innen? Queere Perspektiven auf Reproduktionstechnologien

Mit dem Kollektiv Reproduktive Gerechtigkeit

22. Oktober 2020 | 19:00–20:30

Hirschfeld Lectures | Magnus Hirschfeld Stiftung

Den Link finden Sie hier.


Digitaler Vortrag: Queere Reproduktionspolitiken

30. Juli 2020 | 18 Uhr

MOSAIK Gesundheit | Ein Projekt für lesbische, bisexuelle und queere Frauen* in Niedersachsen

Den Link finden Sie hier.


Blogbeitrag

Über virale Bilder, Corona und Black Lives Matter haben Dr. Aljoscha Weskott und ich für das Dossier der Rosa Luxemburg Stiftung geschrieben.

5. Juni 2020

Den Text finden Sie hier.


Veranstaltung auf 2021 verlegt!

Vortrag: Xenofeminism and the Reproductive Body. Problems and Potentials

Frühjahr 2021

Workshop Technosomata | ZTG Humboldt-Universität Berlin


Interview: Corona Tracing App, Biopolitik, Queering Physical Distancing etc.

Mit Dr. Aljoscha Weskott

Jungle World 2020/21

Das Interview finden Sie hier.


Videobeitrag: Digitalisierung

Mit Dr. Aljoscha Weskott

Kritische Theorien in der Pandemie. Ein Glossar zur Corona-Krise 

26. April 2020 

Frankfurter Arbeitskreis für Kritische Theorie

Das Video können Sie hier sehen.


Interview auf Deutschlandfunk Kultur: Facetuning und No Make Up Trends 

28. März 2020 

Das Interview können Sie hier nachhören.


Blogbeitrag

Über mein aktuelles Forschungsprojekt zu feministischen Digitalbewegungen habe ich auf dem ZtG-Blog der Humboldt-Universität zu Berlin geschrieben. 

20. März 2020

Den Text finden Sie hier.


Alle Vorträge 

Eine Liste aller Vorträge, die ich gehalten habe, finden Sie hier.